Vom Alltag in die Berge – Im Gespräch mit Maelle Frei
- Jaroslav Barbic

- 16. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Maelle Frei ist eine, die man sofort in ihrer Welt spürt: naturverbunden, neugierig, humorvoll – und mit einem tiefen Respekt für die Kraft der Elemente. Wenn sie von ihren Touren erzählt, dann geht es nicht um Rekorde oder Leistung. Es geht um Freiheit. Um das einfache, aber tiefe Gefühl, draussen zu sein – sei es beim Wandern, oder Gleitschirmfliegen. Sie lebt in der Zentralschweiz, wo sie aufgewachsen ist – zwischen Skitagen mit der lieben Mama, Sommerwanderungen mit den Grosseltern und späteren Entspannungsrunden auf ihren geliebten Hausberg, dem Pilatus. Nach einer kurzen Teenie-Pause (sie lacht selbst darüber) war da plötzlich wieder dieser Drang nach draussen. Und der ist bis heute geblieben – nur ist aus der Wanderin mittlerweile eine vielseitige Alpinistin geworden, die heute von Bouldern über Skitour & Fly bis hin zum Streckenfliegen mit dem Gleitschirm so ziemlich alles macht, was Höhenmeter kostet. „Ich bin halt einfach gerne draussen – und wenn ich etwas mache, dann richtig“, sagt sie. Diese Leidenschaft führte sie Ende 2021 zum Gleitschirm – und schon 8 Monate später, im Juni 2022, bestand sie das Brevet. Eine beeindruckende Leistung, die nicht nur Disziplin, sondern auch Mut und Vertrauen in sich selbst zeigt. Seither ist sie oft in der Luft anzutreffen. XC-Flüge, Hike & Fly, Acro – was als Neugier begann, ist heute ein Teil ihres Lebens geworden. Aber wie hat das eigentlich alles angefangen?
„Alles kam schleichend – vom Wandern zum Fliegen“
Ihre ersten prägenden Erlebnisse waren keine dramatischen Beinaheabstürze oder epischen Bergnächte – sondern eher einfache, schöne Momente. Skitage mit der Mutter, Sommerwanderungen mit den Grosseltern, eine Belohnung auf der Rodelbahn. Ganz kindlich, ganz unbeschwert. Und dann kam mit 19 die eigene Neugier wieder zurück – neu entfacht durch den Pilatus, der direkt vor ihrer Tür lag, als sie nach Kriens zog. „Ich hatte das Ziel alle Wege auf den Pilatus kennenzulernen.“ Und sie ging. Immer öfter. Und immer weiter. Was mit klassischen Wanderungen begann, entwickelte sich nach und nach zu Alpinwanderungen, Bouldern, Klettern und schliesslich zum Gleitschirmfliegen. Der Übergang war fliessend – auch weil sie sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Maelle liebt das Wandern genauso wie das Fliegen. Die Nähe zur Erde und die Perspektive von oben. Die Körperlichkeit und das Loslassen. „Ich wollte immer alles auf einmal“, sagt sie rückblickend mit einem Augenzwinkern. Heute weiss sie, dass man Prioritäten setzen muss. Dass man in den Bergen Geduld braucht. „Fokus ist wichtig – du musst wissen, was dir am meisten bedeutet und darin gut werden. Der Rest ergibt sich dann von allein.“
„Ich bin nur Gast – und die Natur lässt mich gewähren“
Für Maelle ist das Draussensein eine Art, sich mit der Welt zu verbinden. „Besonders durchs Gleitschirmfliegen habe ich gelernt, wie klein wir sind. Wir bewegen uns in einem Raum, den wir nicht kontrollieren können – wir dürfen nur Gast sein.“ Diese Demut prägt ihren Zugang zur Natur. Sie spricht nicht davon, den Berg zu "bezwingen“, sondern davon, wie viel ihr die Berge geben: Geduld. Akzeptanz. Dankbarkeit. Und ein tiefes Bewusstsein dafür, dass nicht alles planbar ist – und auch nicht sein muss. Ob sie in der Luft unterwegs ist oder am Boden Wildkräuter bestimmt: Es geht nie um das Grosse, Spektakuläre. Es geht um den Moment. „Geniesse jeden Moment – das Leben ist zu schön, um nicht zufrieden zu sein“, sagt die junge Gleitschirmfliegerin.
Zwischen Alltag und Höhenluft
Maelle arbeitet als Aussendienstmitarbeiterin in einem Pharma Unternehmen. Der Kopf braucht das Draussen, und der Körper die Verbindung zur Erde. Vom Alltag in die Berge ist es ist es zum Glück nicht weit. „Nach einem Tag unterwegs im Auto reicht mir manchmal ein kurzes Hike & Fly, um wieder klarzukommen.“ Dann geht sie auch mal allein los – einfach den Berg hinauf, das Segel auf den Rücken geschnallt, die Gedanken im Gepäck. „Wenn’s schnell gehen muss, gehe ich solo. Das Glücksgefühl da oben – das kann man mit nichts vergleichen." Wenn Sie mehr Zeit zur Verfügung hat, geniesst Maelle aber auch das Teilen von Erlebnissen auch zu zweit oder in einer Gruppe.
Was darf im Gepäck nie fehlen?
Maelle lacht: „Ganz klar mein Gleitschirm – obwohl es mittlerweile drei verschiedene sind.“
Ihr Rat an alle, die losziehen wollen?
„Schritt für Schritt. Deine Leidenschaft wird dich schon führen.“ Und: "Sei dir immer bewusst, dass du Gast bist. Dass du mit Respekt unterwegs bist – für dich selbst, für andere, für die Natur." Wer Maelle begegnet, merkt schnell: Sie will nicht beeindrucken, sondern inspirieren. Nicht höher, schneller, weiter. Sondern tiefer fühlen, bewusster leben – und einfach draussen sein.




































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